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C. Schwarz: Ein faktenorientiertes und fundiertes Medienangebot darf kein Luxusgut sein

Dr. Claudia Schwarz ist Geschäftsführerin von ACADEMIA SUPERIOR – eines oberösterreichischen Think Tanks für Zukunftsforschung.

ACADEMIA SUPERIOR definiert sich als eine Gesellschaft für die Zukunftsforschung. Können Sie uns die Aktivitäten des Think Tanks näherbringen? Welche Bereiche sind thematisch abgedeckt?

Foto: Claudia Schwarz und Michael Hauer/ ©ACADEMIA SUPERIOR

ACADEMIA SUPERIOR macht es sich zur Aufgabe, bewusst den Blick für Überraschungsmomente zu schärfen und damit Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Es geht darum, die richtigen Fragen aufzuwerfen und internationales Know-How zu ganz unterschiedlichen Themen zugänglich zu machen. Das geschieht in verschiedenen Veranstaltungsformaten, Diskussionsrunden, Fokusgruppen, Workshops, ExpertInnen-Gesprächen, aber auch in Hintergrundrecherchen, Dossiers, Berichten und einer quartalsmäßigen Zusammenschau international gesammelter neuer Studien und Erkenntnisse.

Auch wenn wir uns immer nur ausgewählten Themenbereichen widmen können, so ist über das 11-jährige Bestehen von ACADEMIA SUPERIOR eine breite Palette an Inhalten gewachsen, von Standortthemen über Innovation, Gesundheit oder Technologie. Es geht dabei oft auch um die gesellschaftlichen Auswirkungen von Entwicklungen und welche Herausforderungen sich daraus ergeben.

Es wird Ihrerseits von einem „Do Tank“ gesprochen. Welche konkreten Auswirkungen hat Ihre Tätigkeit und wie sieht der Praxisbezug aus?

Wir verstehen es als unsere Aufgabe, nicht nur intellektuell ansprechende Erkenntnisse zu generieren, sondern den Entscheidungsträger:innen konkrete Ideen als gestalterisches Werkzeug mitzugeben. Das können einerseits gezielte Fragestellungen sein, mit denen Prozesse angestoßen werden, und andererseits praxisnahe Ableitungen und Antworten auf drängende Herausforderungen unserer Zeit.

Ein „Do Tank“ sind wir auch deshalb, weil wir Zukunft als Gestaltungsprozess verstehen und auf dem Weg dorthin möglichst viele Menschen abholen und erreichen wollen. Deshalb schaffen wir auch immer wieder Anknüpfungspunkte, wo wir gezielt dazu einladen, mitzumachen und gemeinsame Akzente zu setzen. Aktuell passiert das beispielsweise auf unserer Plattform www.fragen-an-die-zukunft.at, wo jede und jeder eingeladen ist, Fragen zu teilen, zu bewerten und zu kommentieren. Mit den Fragen wollen wir Prozesse anstoßen, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene.

Worauf liegt bei ACADEMIA SUPERIOR der größte Fokus im Moment und welche gesellschaftlichen Herausforderungen sind langfristig zu erwarten, vielleicht auch im Zusammenhang mit der Pandemie? Welche Themen sind dadurch in den Vordergrund gerückt?

(Das zu beantworten wäre ein abendfüllendes Thema.) Die Pandemie ist gewissermaßen ein Katalysator für viele Themen und Herausforderungen, die es schon länger gibt, die jetzt aber virulent werden. Das betrifft die Digitalisierung ebenso wie die Arbeitswelt, Bildung und Gesundheit allgemein. Aktuell befassen wir uns beispielsweise mit der Frage, was man tun kann, um möglichst vielen Menschen, speziell auch älteren, den Zugang zu digitalen Angeboten zu erleichtert. Da geht es um digitale Souveränität und Teilhabe.

Ein anderes Thema, das uns beschäftigt, ist Resilienzfähigkeit – von Menschen, Unternehmen und Standorten – und die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der in vielen westlichen Ländern an Stabilität verloren hat. Da spielen Aspekte wie Bildung, Mediennutzung, Fehlerkultur, ein schwindendes Gefühl der Selbstwirksamkeit und eine allgemeine Wissenschaftsskepsis mit hinein.

Foto: ACADEMIA SUPERIOR

Wie sieht das Innenleben des Think Tanks aus? Gibt es fixe Angestellte oder eher ad hoc Kooperationen? Wie wird bei Ihnen gearbeitet?

ACADEMIA SUPERIOR ist mit einem kleinen Team bestehend aus drei Personen am Campus der Johannes-Kepler-Universität in Linz im Science Park stationiert. Unser wissenschaftliche Beirat – geleitet vom Humangenetiker Markus Hengstschläger – und ein Netzwerk an
Forscher:innen bringen immer wieder Fachexpertise zu speziellen Themen in unsere Arbeit mit ein. Wir stimmen uns intern gut ab und arbeiten bei größeren Veranstaltungen, Studien oder Projekten oftmals auch mit Kooperationspartnern zusammen.

Bei Publito interessieren wir uns sehr für den Mediensektor. Wie wird die Situation in den österreichischen Medien aus Ihrer Perspektive eingeschätzt? Beobachten Sie hier Strukturprobleme bzw. Besonderheiten im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern?

Ich bringe aufgrund meines wissenschaftlichen Hintergrunds eine sehr große Affinität für den Medienbereich mit. Als kleines Land ist die Finanzierung speziell von qualitativ hochwertigem Journalismus von sich aus schon eine große Herausforderung. Auf der einen Seite wird die Situation für viele Beschäftigte in der Medienbranche immer prekärer während auf der anderen Seite der PR-Sektor boomt. Da ist ein Ungleichgewicht entstanden. Das andere Missverhältnis herrscht zwischen Presseförderung und Inseratenvergaben, speziell bei der aus öffentlichen Geldern. Auch hier sehe ich dringenden Reformbedarf. Ein qualitativ hochwertiges, faktenorientiertes und fundiertes Medienangebot darf kein Luxusgut sein. Ich sehe darin viele gesellschaftlichen Probleme verankert. Befeuert wird das ganze durch die immer stärker ausgeprägten Informationsblasen, die durch eine vielfach unreflektierte Nutzung von Social Media Plattformen entsteht. Da verlieren wir gesellschaftlich an Halt.

Foto: C. Schwarz, Geschäftsführerin/ ©ACADEMIA SUPERIOR

ACADEMIA SUPERIOR ist derzeit auf den Raum Oberösterreich spezifiziert. Hat das einen Grund, bzw. haben Sie vor sich auch auf andere Bundesländer auszuweiten?

ACADEMIA SUPERIOR ist als Verein in Linz beheimatet und legt einen Fokus auf die Arbeit in Oberösterreich, pflegt dabei aber grundsätzlich einen sehr offenen und breiten Zugang. Die Zukunftsthemen, mit denen wir uns befassen, reichen natürlich weit über die Landesgrenzen hinaus. Unser Auftrag ist es, möglichst viel Zukunft und den Blick für Potenziale nach Oberösterreich hereinzubringen und Entscheidungsträger:innen fundierte und neue
Erkenntnisse zugänglich zu machen. Dass unser Interessentenkreis zu gut einem Viertel aus Personen außerhalb Oberösterreichs besteht, spricht aber auch für sich – und freut uns.

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